Ein Gespräch mit dem hörgeschädigten Musiker Mischa Gohlke von “Grenzen sind relativ” (von Katja Wiggers)

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“..wie ein Imker, der allergisch gegen Bienenstiche ist” – so beschreibt ihn Musikerkollege Oliver Steinwende in einem Fernsehbeitrag. Die Rede ist von Mischa Gohlke – einem Hamburger Musiker, der Menschen mit Hörbehinderung Musikunterricht gibt und selbst hochgradig schwerhörig ist. Doch das ist für ihn kein Hindernis Musik zu machen und dies auch weiterzugeben.

Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern klappt gut und Gohlke hat die Initiative “Grenzen sind relativ” gegründet, um zu zeigen, dass über Musik Menschen zusammen gebracht werden können und damit Inklusion gelebt und weiterentwickelt werden kann.

Das Treffen mit Mischa findet vormittags um 11 Uhr in seiner Wohnung statt. Das erschien uns als der beste Ort für ein Gespräch, da wir mit weniger störenden Nebengeräuschen konfrontiert werden würden. Um ehrlich zu sein, war ich ein wenig aufgeregt: Werde ich mich gut mit Mischa verständigen können? Bisher hatten wir nur per Email Kontakt. Aber meine Sorge stellt sich schnell als unbegründet heraus: Mischa trägt ein Hörgerät und außerdem ist Hören mehr als “Hören” und hängt nicht nur vom funktionierenden Organ Ohr ab – wie ich im Laufe des Gesprächs noch von Mischa lernen werde.

Noch bevor ich meine vorbereiteten Fragen auspacken kann sind Mischa und ich schon in ein intensives Gespräch verwickelt – über Hamburg, Musik und Inklusion – über das Leben halt! Und ich merke schnell: Der Typ hat etwas zu sagen. Und die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft ist ihm ein sehr großes Anliegen.

MISCHAS SCHULZEIT

Kein Wunder, hat er doch selbst davon während seiner Schulzeit profitiert. Oder vielmehr von der Idee der Inklusion und der Hartnäckigkeit seiner Eltern. Die haben nämlich 1986 den Mut, Mischa auf eine Regelschule zu schicken. Mischas Vater, selbst Musiker, hatte bereits als Zivildienstleistender Erfahrung mit hörbehinderten Jugendlichen gesammelt. Beide Eltern entschließen sich deshalb, Mischa nicht auf eine Förderschule zu schicken, – entgegen dem Rat aller Ärzte, Schulleiter und anderer selbsternannter Experten, die meinen zu wissen, dass Mischa es auf einer Regelschule nicht schaffen würde.

Damals war das eine Besonderheit. Aber auch wenn heutzutage mehr Kinder mit einer Hörbehinderung eine reguläre Schule besuchen wollen, so sind längst noch nicht alle “Experten” davon überzeugt, dass dies der bessere Weg für die Kinder sein würde (wie etwa bei einem Interview mit der Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogin Professor Annette Leonhardt der LM-Universität deutlich wird). Mischas Eltern sind jedoch davon überzeugt und werden recht behalten.

13 JAHRE KOSTENLOSE SYNAPSEN-SCHULUNG

Dass Mischa heute Musiker ist, war nicht immer absehbar. Es hätte auch ganz anders laufen können: Er könnte heute Tennis- oder Fußball-Profi sein. In seiner Schulzeit stürzt er sich nach eigener Aussage zunächst in den Sport, als Ausgleich zur phasenweisen Überforderung im Klassenzimmer. Am Anfang habe er in der Schule jeden Tag Kopfschmerzen gehabt, erzählt er. Der Klassenraum sei ohne Teppichboden gewesen und jeder der eine Schule besucht hat, kennt den Lärmpegel von über zwanzig durcheinander redenden Schülern. Das sei zunächst sehr anstrengend für ihn gewesen, aber dennoch in Ordnung: „Klar, war es nicht immer einfach, aber was heißt das schon“, bemerkt Mischa und berichtet von anderen Klassenkameraden, die auch so ihre Schwierigkeiten hatten, sei es mit Problemen im Elternhaus oder mit der eigenen Schüchternheit – “ganz normale Teenager Probleme halt”.

Er habe damals schon gemerkt, wie wichtig Ausdauer, Geduld und Vertrauen sind – in sich selbst, aber auch in andere. Eigentlich sei er für seine Schulzeit sehr dankbar, lächelt Mischa, denn er habe dort “quasi 13 Jahre lang eine kostenlose Synapsen-Schulung” erhalten, die ihm bis heute nützlich ist. Die Anforderungen in der „hörenden Schulwelt“ hätten dazu geführt, dass er sich viel mit dem Thema Wahrnehmung, Bewusstsein und Hören befasst habe und dass er sich die Eigenschaft des „multitasking“ zulegen musste und konnte. Dazu gehörte genaues hinhören und -sehen, von den Lippen ablesen, Gesichtsausdrücke und Stimmungen deuten, kombinieren von Hören mit anderen Sinneseindrücken, und eben auch ganz gewöhnliche soziale Fähigkeiten, die man als Teenager eben braucht, um in einer Gruppe von Jugendlichen klar zu kommen.

MAN HÖRT NICHT NUR MIT DEN OHREN

Mischa war von Geburt an schwerhörig. Erst mit drei Jahren erhält er sein erstes Hörgerät. Bis heute ist er überzeugter Träger analoger Hörgeräte, da er findet, dass sie im Vergleich zu digitalen Hörhilfen den wärmeren, beseelteren Klang haben und sich besser regulieren lassen. Mit Hörgerät hört er circa 50-60 Prozent der Grundlautstärke. “Wobei Hören nicht gleich differenziertes Verstehen ist. Hörgeschädigte hören lediglich einen Klangbrei”, erklärt er und Gebärdensprache kann er nicht.

Mischa erläutert weiter, dass man auch als Hörender nicht immer gleich höre. Denn das Hörempfinden sei ja bei allen Menschen zu unterschiedlichen Tageszeiten jeweils unterschiedlich. Und genauso ergehe es ihm eben auch:

„In manchen Momenten kann ich Sprache und Musik wunderbar differenziert hören und verstehen – und in anderen Momenten versteh ich eigentlich gar nix. Das ist ein Spiegel dafür, wie vielfältig mentale Hörwahrnehmung sein kann und dass man sich selber eine Hörrealität erschafft.“

Mischa hat sich in den letzten Jahren viel mit dem Thema “Wahrnehmung” auseinandergesetzt – unter anderem Shirley Salmon gelesen, eine Pionierin in der Erforschung des Musikunterrichts für Hörgeschädigte, die den Begriff „multisensorische Wahrnehmungsebenen“ geprägt hat.

Mischa kritisiert und widerspricht deshalb einem mechanistischen Weltbild, das von der Annahme ausgehen würde, dass im Fall einer Schädigung des Ohres das Organ Ohr kaputt sei und man dementsprechend nicht hören könne. Er betont, dass das Hören “multisensorisch” stattfinden würde, d.h. dass alle Sinne beteiligt wären. So wie das Sehen mehr sei, als ein “Gucken mit den Augen”. Blinde Menschen weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig, auch für Sehende, das Haptische sei, also das Anfassen und „Begreifen“. Wissenschaftler wie Shirley Salmon, und andere aus dem Bereich der biologischen Kybernetik sind heutzutage davon überzeugt, dass Wahrnehmung komplexer ist und nicht auf einzelne funktionierende Organe reduziert werden darf.

DIE LIEBE ZUR MUSIK KAM MIT DER MINI-PLAYBACK-SHOW

Wenn man also von einem intuitiven Gehör ausgeht, das mehr als die Ohren zum Hören nutzt, so wird klar, dass es gar nicht so abwegig ist, dass ein schwerhöriger Mensch Musiker wird. Hörbehinderung und Musik sind also nur scheinbare Widersprüche in den Köpfen Hörender.

Einen ersten Bezug zur Musik entwickelt Mischa mit ungefähr 10 Jahren, als er von der Mini-Playback-Show einen Ohrwurm bekommt: Das Lied “Macho, Macho” geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Mischa lacht, später sei es dann aber zum Glück doch eine andere Musikrichtung gewesen, die ihn inspirierte selbst Musik zu machen. Mit circa 15 Jahren entdeckte er dann die Liebe zum Gitarre spielen durch die Blues-Legende Stevie Ray Vaughan:„Musik ist schon eine ganz tiefe Liebe für mich“, schwärmt Mischa. Er habe es damals als Teenager intuitiv spannend gefunden genau das zu machen, was ihm scheinbar am schwersten falle: selber Musik machen.

Weder konnte er gut hören, habe ein besonderes Rhythmusgefühl, noch ein besonderes motorisches Talent für das Gitarre spielen gehabt. Oft habe er Lieder spielen wollen, die ihm zwar sehr gefielen, bei denen er aber schnell an seine Grenzen stieß. Dass er sie dann später doch spielen konnte, weil er mit Disziplin, Leidenschaft und Konzentration dran blieb, war eine tolle Erfahrung für ihn.

Mischa beschreibt es sogar als tiefe Urerfahrung für sich selbst, sich mit dieser Frustration auseinanderzusetzen, um dann zu erleben wie Dinge, die einem phasenweise unmöglich erscheinen – also eben dieses eine Lied spielen zu können – dann doch machbar werden; wie er quasi Grenzen überwinden konnte.

Heute tritt er ganz selbstverständlich mit seiner Band – der Mischa Gohlke Band auf – sie spielen auf Festivals, in Kneipen, Bars oder auch auf Aktionstagen zur Inklusion.

Und so wie das Hören eben mehr als die Summe seiner zwei Teile – den Organen Ohren – ist, so ist auch Mischa mehr als nur Musiker: Er ist Geschäftsführer einer Initiative, Projekt- und Eventmanager, Netzwerker, Coach, Dozent, Speaker…  und man kann sagen ein Visionär, der etwas bewegen möchte. Deshalb will er seine postiven Erfahrungen – nämlich dass ihn gerade seine Hörbehinderung zu einem guten Musiker gemacht hat – an andere weitergeben.

Man sieht einen jungen Mann, mit einer E-Gitarre konzentriert spielen. Scheinbar steht er auf einer Bühne, denn das schwarze Licht hinter ihm ist durchbrochen von vier grellen Scheinwerferlichtern.

DAS PROJEKT “MUSIKUNTERRICHT FÜR HÖRGESCHÄDIGTE”

Ab 2010 bietet Mischa dann “Musikunterricht für Hörgeschädigte” an – in Kooperation mit der renommierten “Rock & Pop Schule Kiel” – die sein Vater Hörbie Schmidt leitet.

Die Initialzündung dafür ist sein erster Besuch auf dem Sommercamp 2008 für hörbehinderte Jugendliche, auf dem er Gitarrenunterricht gibt und einen Workshop zum Thema Musik und Hören leitet. Tatsächlich ist es das erste Mal für Mischa, dass er engeren Kontakt mit anderen hörbeeinträchtigten Menschen hat – bislang bestand sein Freundeskreis sowie seine Arbeitskollegen immer nur aus hörenden Menschen.

Auf dem Sommercamp, an dem er 2010 erneut teilnimmt, trifft er dann wie so oft auf den weit verbreiteten Glauben, dass man aufgrund seiner Hörschädigung keine Musik machen kann. Die Jugendlichen sind teilweise sehr skeptisch, berichtet Mischa:

“Sie wollten mir nicht glauben, dass ich an Taubheit grenzend hörgeschädigt bin, ich musste meinen Behindertenausweis und meine Hörgeräte zeigen.”

WAS SINNVOLLES MACHEN

Da habe er dann gemerkt, dass er hier wirklich etwas Sinnvolles machen könne; eben nicht nur Musik- und Kulturbusiness, wie er es als selbständiger Kultur-  und Eventmanager machte, sondern etwas, das gesellschaftspolitisch mehr Sinn mache.

Wichtig ist ihm dabei, dass die Jugendlichen eben nicht immer nur “ein bißchen Trommeln” dürfen, sondern sich auch trauen selbst zu singen und andere Instrumente zu spielen. Er will den Jugendlichen zeigen, dass das scheinbar Unmögliche eben doch möglich ist, und dass man das auch auf andere Lebensbereiche übertragen kann.

Entgegen seinem Titel ist die Praxis des Projekts von Anfang an sehr inklusiv angelegt: Es gibt neben dem Einzelunterricht auch Gruppenunterricht mit hörgeschädigten und normal hörenden Menschen. Nach dem Motto: “Alle auf Augenhöhe, wir alle können von- und miteinander lernen. Einschließlich der Lehrer”. Mischa will mit seinem Projekt einen Beitrag dazu leisten, wegzukommen vom Denken “Ach die armen Hörgeschädigten dürfen auch mal Musik machen” hin zu einer Art Selbstverständlichkeit.

VON MENSCHEN UND MEDIEN

Es gab ein großes Medienecho und das Projekt wurde mehrfach als “Inklusionsvorzeigeprojekt” ausgezeichnet. Mischa freut sich natürlich sehr darüber, aber sieht die Arbeit der Medien und Politiker zum Thema “Inklusion” trotzdem auch kritisch. Er bemängelt, dass in der öffentlichen Debatte oft mehr Schein als Sein präsent ist und Inklusion in die Tiefe gehend selten diskussiert und noch weniger gelebt wird. Denn obwohl er viele positive Erfahrungen mit Journalisten gemacht hat, die wirklich interessiert waren in die Tiefe zu gehen, so gibt es eben auch die Kehrseite der Medaille.

Häufig werde in den Medien sowie von Politikern nur das aufgriffen, was in ihr Bild passe, bemerkt er und erzählt, wie er immer wieder mal als Klischee für den “armen hörbehinderten Musiker” herhalten soll, der dann lieber nur dastehen und Musik machen soll – als kleines Wunder – und sich dabei möglichst nicht politisch äußern soll.

So erleben das auch andere engagierte Menschen, die Inklusion ganzheitlich sehen, empfinden und leben. Schade findet Mischa, dass diese häufig in den Medien bzw. in der Öffentlichkeit nicht so präsent seien.(Eine Sammlung lesenswerter Beiträge zum Thema “Medien und Behinderung” gibt es bei Leidmedien – besonders spannend und empfehlenswert ist der Beitrag “Jahresrückblick 2014. Berichterstattung über Menschen mit Behinderung“. Das Thema wurde außerdem unlängst auf der Veranstaltung “Inklusion im Fernsehen. Neue Perspektiven auf Behinderung” diskutiert. Wir haben darüber hier im Blog berichtet).

DIE INITIATIVE – GRENZEN SIND RELATIV

Das “stumme Dastehen” ist nicht Mischas Ding. Und deshalb gründet er im Oktober 2011 “Grenzen sind relativ“. Eine Initiative, die sich anhand ganz unterschiedlicher Projekte für “eine inklusive, integrale und nachhaltige Gesellschaft” einsetzt. Dazu gehören neben dem Musikunterricht für Hörgeschädigte, auch die Grenzen-sind-relativ-Festivals, “Aktionstage Inklusion” in Schulen, Universitäten und anderen Einrichtungen sowie Workshops, Bandauftritte, Coachings für Musikschulen und einfach das Vernetzen von Projekten und Menschen, die sich für “ganzheitlich gelebte” Inklusion interessieren.

“Im Zeitalter der Ich-AGs darf aus ICH und DU gerne (wieder) ein `Wir-sind-miteinander-verbunden-Bewusstsein´ entstehen. Vielfalt leben.” – so heißt es auf der Website der Initiative. Getreu dem Motto “Vielfalt leben” sind auch ganz unterschiedliche Menschen an Grenzen sind relativ beteiligt und arbeiten bei den Projekten als Dozenten:

–  Katrin Wulff, Mitglied der Mischa Gohlke Band, Sängerin und Songwriterin

Kassandra Wedel, Tänzerin, Choreografin und Theaterwissenschaftlerin

Michael Herold, Speaker, Animator und Traveler

– Christian Judith und Anja Teufel von der Inklusive Firma K Produktion, Pädagogen, Sozialwissenschaftlerin

– Klaus W. Becker, Projektleiter des Inklusionsbüros Hamburg

– Rico Bowen, Martin Oberleitner und Alex Klauck von der “Mischa Gohlke Band feat. Katrin Wulff” , Profimusiker, Kultur- und Medienmanager

sowie Mischas Vater Hörbie Schmidt, Musiker, Schulleiter der Rock & Pop Schule Kiel, Dipl. Sozialpädagoge, Coach und Juror

HÖRBEHINDERT ODER HÖRGESCHÄDIGT?

“Wir ALLE sind auf verschiedenste Art und Weise `behindert´. Egal ob körperlicher, mentaler, sozialer, emotionaler oder finanzieller Natur. Die wirklichen Barrieren finden zumeist im Kopf statt.”

Ein Zitat von Mischas Website, das mir auffällt. Und ich bemerke, dass Mischa selbst immer den Begriff “hörgeschädigt” und nicht “hörbehindert” verwendet. Ich empfand den Begriff “hörgeschädigt” bislang eher als sehr negativ und frage Mischa danach, wie er das empfindet:

“Es gibt kein richtig und falsch”, meint Mischa, “nur verschiedene Perspektiven und Interpretationsmöglichkeiten”.  Seiner Meinung nach gibt es keinen allgemein gültigen neutralen Begriff: “Ich sage hörgeschädigt. Ich würde es so deuten: Ich bin nicht behindert.”

Stimmt, denn “behindert ist man nicht, behindert wird man” – wie es bei Leidmedien so schön treffend heißt – und zwar von der Umwelt, wenn diese eben nicht barrierefrei ist. Mischa findet aber auch, dass Barrieren zur Realität dazugehören und verdeutlicht seinen Standpunkt: “Ständig treten Barrieren auf. Im Inneren und Äußeren. Es ist menschlich, ständig mit Barrieren im Kontakt zu sein. Aber WIE gehen wir damit um, das ist die spannende Frage. Gehen wir in eine Opferrolle, beharren wir auf DEN Weg oder finden wir kreative zielführende Lösungswege?”.

Er ergänzt: “Das Organ Ohr ist vielleicht ein bisschen geschädigt. Aber die Schädigung behindert mich nicht. Letztendlich ist es einfach eine besondere Höreigenschaft”.

Der Begriff “Hörbeinträchtigung” treffe es auch nicht richtig, da es hörgeschädigte Menschen gäbe, die mehr hörten und verstünden – von Musik und Sprache – als hörende Menschen, ist sich Mischa sicher.

“Ich muss zum Beispiel zwangsläufig sehr fokussiert kommunizieren und kann dadurch sehr gut zuhören. Jemand der ein gutes Ohr hat, hört vielleicht manchmal nicht so genau zu”, bemerkt Mischa. Und ich muss zugeben, dass Mischa wirklich ein sehr aufmerksamer Gesprächspartner ist, dem nichts entgeht.

Ein junger Mann mit Bart, dunkelblonden Haaren und einem dunkelblauen Sakko sitzt auf einem Sessel. Er blickt lächelnd in die Kamera. Hinter ihm an der Wand hängen vier E-Gitarren. Am rechten Bildrand ist ein schwarz-weißes Gemälde zu sehen.

ZUKUNFTSMUSIK

Auf die Frage, was Mischa sich für die Zukunft wünscht, antwortet er: “Mehr Miteinander, wirklich einen gemeinsamen Versuch noch mehr in die Tiefe zu gehen, sich den essentiellen Themen zu öffnen und sich wieder mehr zu begegnen, mehr ein Wir-Miteinander, – ein Verbundenheitsgefühl. Ich wünsche mir, dass alle Menschen mehr miteinander in Kontakt kommen, trotz der ganzen verschachtelten, verdrehten Reize, Signale und Angebote, unabhängig von etwaigen Behinderungen. Einfach wieder mehr Mensch sein.”

Schön fände Mischa es, wenn “Inklusion nicht immer nur auf die „Integration“ von Menschen mit Behinderung runter gebrochen werden würde. “Denn Inklusion kann, will und muss wesentlich mehr sein! Inklusion betrifft uns ALLE!”

“Darüber hinaus ist Inklusion Menschenrecht. Inklusion ist keine Spezialkonvention, sondern die Konkretisierung der vorhandenen Menschenrechte.”

Mischa erhofft sich, dass der Gedanke der Inklusion nicht für einseitige Interessen von Lobbyisten aus Wirtschaft, Politik, aber auch der Behindertenszene missbraucht wird, sondern dass alle an einem Strang ziehen.

Der aktuelle „Inklusionshype“ biete jedoch die große Chance, Impulse freizusetzen und notwendige zukunftsweisende gesellschaftspolitische Prozesse und Strukturen auf Grundlage einer ganzheitlichen Bewusstseinsdebatte in die Wege zu leiten.

Für sich persönlich strebt er ein ganzheitlich geführtes Leben an, “wo viele verschiedene Facetten noch mehr zusammen gehen, ich mich weiter entwickeln kann und mit “Grenzen sind relativ” einen zielführenden Beitrag leisten kann für die “Gesellschaft von morgen” aber auch für einzelne Personen.”

Zurzeit arbeitet Mischa übrigens mit vielen anderen Künstlern an einem tollen, großen Projekt. Noch ist es geheim, aber soviel sei verraten: Es hat mit Musik und Inklusion zu tun. Mehr dazu bald hier im Blog, in einem Beitrag von Mischa.

Wir wünschen Mischa viel Erfolg bei seiner Arbeit, bedanken uns für das ausführliche Interview und sind schon sehr gespannt, auf seinen Blogbeitrag.

INFORMATIONEN

Ausführliche Informationen über die Initiative “Grenzen sind relativ” gibt es hier.

Live zu sehen ist die Mischa Gohlke Band wieder am 05.05.2015 auf dem “Inklusive Süd Festival” in Hamburg (Mischa Gohlke Band feat. Katrin Wulff) oder am 09.05.2015 auf dem “Sommerblut Festival” in Köln.