Am 23. und 24.11. fanden die „Inklusionstage 2015“, veranstaltet vom vom „Bundesministerium für Arbeit und Soziales“, im Berlin Congress Center statt. Der Nationale Aktionsplan 2.0 (NAP 2.0) wurde vorgestellt und diskutiert. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde das Musikvideo „AndersSein vereint – Inklusionssong für Deutschland“ präsentiert und ein Interview mit GSR-Projektleiter Mischa Gohlke gemacht.

U.a. haben die „Kobinett Nachrichten“ (Autor Ottmar Miles-Paul) darüber berichtet. Hier geht es zum Artikel: www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/32691 

Im folgenden ein Statement von Mischa Gohlke:

„Mein Traum von Inklusion ist radikal. Radikal kommt ja von lateinisch radix und bedeutet Wurzel oder/und Ursprung. Zu Ende gedachte und gelebte Inklusion kollidiert mit unser stark neoliberal geprägten Gesellschaftskultur. Verbunden mit dem Potenzial der „ganzheitlich gelebten Inklusion“ brauchen wir eine neue „Beziehungskultur“. Alles steht zu- und miteinander in Beziehung.

Zumeist wird Inklusion immer noch auf die „Integration“ von Menschen mit (formal anerkannter) Behinderung runter gebrochen, für einseitige separierende Interessen benutzt und in der öffentlichen Debatte sympthomorientiert ausgetragen. Dabei kann, will und muss Inklusion wesentlich mehr sein!

Wir ALLE sind behindert! Ob körperlich, mental, emotional, sozial, finanziell, strukturell oder wie auch immer. Viele Barrieren finden in den Köpfen statt. Darüber hinaus ist Inklusion keine Spezialkonvention, sondern die Konkretisierung der universelle Menschenrechte. Inklusion betrifft uns ALLE!

Im Sinne eines ganzheitlichen Inklusionsverständnisses umfasst Inklusion alle Aspekte, die das Leben in einer komplexen heterogenen Gesellschaft ausmachen: soziale, bildungspolitische, wirtschaftliche, konsumelle, ökologische, kulturelle, spirituelle, dezentrale, globale, persönliche, zwischenmenschliche und kollektive Themenbereiche können nicht mehr getrennt voneinander, sondern müssen – in Beziehung zueinander stehend – als Ganzes wahrgenommen (und angenommen) werden.

Die Gedanken um den Begriff Inklusion sind nicht neu, im Gegenteil. Der aktuelle „Inklusions-Hype” bietet jedoch die große Chance – auf Grundlage einer ganzheitlichen Bewusstseinsdebatte – zukunftsweisende gesellschaftspolitische Prozesse und Strukturen bzw. die „Gesellschaft von morgen” in die Wege zu leiten und sich damit auseinander zu setzen, wie Wahrnehmungen und Realitäten überhaupt entstehen bzw. kreiert werden. Wir Menschen sind ja zumeist ein Konstrukt unserer jeweiligen psychologischen, emotionalen, sozialen und kulturellen Konditionierungen. Viele Konflikte, Missverständnisse und Unzugänglichkeiten entstehen, wenn Menschen ihre subjektive Wahrnehmung zur objektiven Realität machen und sich damit identifizieren.

Raus aus der „typisch deutschen“ Alternativlosigkeit in ein neues Paradigma!“